TECHNIK-GUIDE: Wie stelle ich meine Mountainbike Dämpfer ein?

Aus dem bike’n soul Magazin:

Wie stell ich eigentlich meine Dämpfer am Mountainbike perfekt ein? Ist ein Dämpfer-Setup ein kompliziertes “Un-Ding”? Chris von FOX und Danny von Rotwild versuchten einen schönen Leitfaden für euer Dämpfer-Setup zu erstellen.
Viel Spaß bei der optimalen Einstellung eures Mountainbikes  ????

Abstimmung eines E-MTB am Beispiel ROTWILD R.X+

 

Das ROTWILD R.X+ ist ein E-MTB par excellence. 145 Millimeter seidenweicher Federweg am Heck und passende 140 Millimeter in Front. Mit diesem Fahrwerk bringt euch so schnell nichts aus der Ruhe. Zusammen mit den Fahrwerksspezialisten von FOX zeigen wir euch wie man diese Trailmaschine perfekt auf euer Einsatzgebiet abstimmt.

Benötigtes Werkzeug: Dämpferpumpe und Zollstock

Bei der Abstimmung eines Fullsuspension-Mountainbikes ist der erste Schritt das Einstellen des passenden Negativfederwegs (Sag). Obwohl sich das Wort „Negativfederweg“ etwas negativ anhört, hat er durchaus Positives zur Folge, nämlich mehr Traktion und Kontrolle. Hätte man keinerlei Negativfederweg, würde das Vorderrad von einer Wurzel zur nächsten hüpfen und zwischen den Wurzeln ständig in der Luft sein. Der Negativfederweg erlaubt es der Federgabel, oder dem Hinterbaudämpfer, in die Kuhlen zwischen den Schlägen aus zu federn, was mehr Bodenkontakt und so auch mehr Kontrolle zur Folge hat.
Idealerweise nimmt man diese Einstellungsarbeiten wie hier gezeigt zu zweit in Angriff. Da der Fahrer so auf dem Bike sitzen soll, wie er es später auch auf dem Trail macht, ist eine zweite Person die ihn vor dem Umkippen bewahrt und zur Seite steht äußerst hilfreich.

Schritt 1:

Aktueller Negativfederweg

Hierzu steigt der Fahrer auf das Bike, während ihn die zweite Person gegen Umkippen sichert. Wichtig hier ist, dass sich alle Federelemente im „OPEN“-Modus befinden. Nun komprimiert der Fahrer mit ein paar kräftigen Gewichtsverlagerungen das Fahrwerk. Sobald sich Federelemente wieder statisch sind begibt sich der Fahrer in die normale Fahrstellung – bei einem All-Mountainbike E-MTB wie dem ROTWILD R.X+ ist dies die sitzende Pedalierposition. TIPP: Der Fahrer sollte während der Einstellprozedur genauso angezogen sein wie er später auf den Trail geht. Also mit gefülltem Trinkrucksack und was er sonst so mit auf die Tour nimmt.

Gabel offen

Hinterbau Ausfedern - © bike'n soul

Lenker Ausfedern - © bike'n soul

 

Schritt 2:

O-Ringe verschieben

Für den folgenden Schritt sollte der Fahrer ganz ruhig im Sattel sitzen, denn die zweite Person muss die Gummi O-Ringe an Federgabel und Dämpfer, welche uns später über den aktuellen Negativfederweg Auskunft geben werden, ganz bis zur Hauptdichtung der Federelemente schieben.

Schritt 3:

Absteigen

Nun muss der Fahrer ohne jegliches Fahrwerkswippen zu provozieren absteigen. Die Federelemente kehren durch diese Entlastung in den Zustand des maximalen Federwegs zurück, die beiden Gummi O-Ringe verbleiben jedoch an der Stelle an die sie zuvor der Helfer geschoben hat – et voilà: Jetzt kann man den Negativfederweg ablesen.

Schritt 4:

Messen und berechnen

Der Abstand zwischen O-Ring und Hauptdichtung ist nun der Negativfederweg. Bei einem All-Mountainbike E-MTB wie dem ROTWILD R.X+ sollte dieser bei 20 Prozent des maximalen Federwegs der Federgabel liegen – hier bei 28 Millimeter. Hinten veranschlagt man bei E-All-Mountains ungefähr 25 Prozent des Dämpferhubs als Negativfederweg. Der Hub des FOX Luftdämpfers auf dem R.X+ beläuft sich auf 50 Millimeter, 25 Prozent hiervon entsprechen zwischen 12 und 13 Millimeter.

Daempfer Messung - © bike'n soul

Gabel Messung - © bike'n soul

Schritt 5:

Federhärte justieren

Sollten die angepeilten Werte nicht erreicht werden, egal ob zu viel oder zu wenig Negativfederweg, muss man die Federhärte, sprich den Luftdruck in den Luftkammern der Federelemente verändern. Dies geschieht am besten in dem man in kleinen 10-PSI-Schritten die Luftfedern entweder härter oder weicher macht. Nach jeder Veränderung der Federhärte sollte man Schritt 1 bis 3 wiederholen. Eben solange bis man hinten wie vorne den gewünschten Wert an Negativfederweg erreicht und eingestellt hat. Am Hinterbaudämpfer wäre zu beachten, dass man den FOX FLOAT DPS mehrere Male langsam bis zur Hälfte des Dämpferhubs komprimieren sollte um den Ausgleich zwischen der Positiv- und Negativ-Luftkammer zu gewährleisten.

Luftdruck - © bike'n soul

Luftdruck Gabel - © bike'n soul

Schritt 6:

Und nun zur Dämpfung

Die Zugstufendämpfung, also die Dämpfung für die Ausfedergeschwindigkeit, ist bei FOX Federelementen immer mit der Farbe rot gekennzeichnet.
Die Federgabel darf nach einer starken Komprimierung nicht vom Boden abheben, sollte aber trotzdem zügig genug ausfedern um die Traktion zu erhalten. Hierzu dreht man das rote Rädchen unten an der Gabel komplett in Richtung „+“ und belastetet den Lenker ruckartig. Die Gabel wird nun sehr langsam ausfedern. Nun dreht man das Rädchen solange in Richtung „-“ bis die Federgabel zügig ausfedert, aber eben dennoch das Vorderrad im Zuge dieser Entlastung den Kontakt zum Boden nicht verliert. Hat man diesen idealen Kompromiss gefunden, so kann man am Luftdämpfer mit Hilfe der ebenfalls roten Stellschraube die Ausfedergeschwindigkeit der der Gabel angleichen. Im Idealfall sollten vordere und hintere Federung dieselbe Zugstufendämpfung aufweisen. Je nach Fahrstil kann man hier noch etwas variieren, jedoch nicht all zu viel, denn sonst wird das Fahrwerk unharmonisch.

Rebound Daempfer

Rebound Gabel
Wir hoffen, euch eine Hilfestellung für euer individuelles Bike-Setup geben zu können. Probiert es aus, genießt die Trails und vielleicht sieht man sich im Bike-Urlaub in Saalbach.

Kommentare

Weitere Artikel