5 Fragen an … Sofia Wiedenroth

Was andere in 50 Jahren nicht schaffen, macht Sofia Wiedenroth in knackigen 20: Die junge Deutsche hat bereits zahlreiche Titel in der Tasche und kann sich unter anderem Vizeweltmeisterin 2012, Vize-Europameisterin 2013, Enduro Vize-Meisterin 2014 und vieles mehr nennen. Doch sie ist noch lange nicht fertig! Erst am Wochenende sicherte sie sich den Titel „Deutsche U23-Meisterin 2015“. Beim Bewerb in Saalhausen setzte sie sich im Dreikampf gegen die starken Konkurrentinnen Majlen Müller und Lena Putz durch. Wir haben dem Ausnahmetalent gleich nach dem spannenden Sieg ein paar Fragen gestellt.

Sofia, so kurz nach dem Sieg in Saalhausen am Wochenende … wie fühlst du dich als frisch gebackene Deutsche Meisterin?

Kaputt, aber auch überglücklich, wieder ganz oben zu stehen.

Du hast im Downhill noch einmal alles gegeben und den Titel geholt. Was gefällt dir beim Downhill am besten?

Im Downhill gefällt mir die Geschwindigkeit, das schwierige Verspielte und das Adrenalin, das man bekommt, wenn man superschnell die steilen Passagen hinunter fährt.

Und wie sieht dein Plan nun fürs restliche Jahr aus? Worauf dürfen wir gespannt sein?

Mein Fokus für die weitere Saison liegt ganz klar auf den Weltcup Rennen, die jetzt noch in Lenzerheide (Schweiz), Mont Sant Anne (Kanada), Windham (USA) und Val die Sole (Italien) stattfinden werden. Desweiteren habe ich mit dem deutschen Meisterin-Titel auch direkt das Ticket für die Europameisterschaft in Italien und für die Weltmeisterschaft in Andorra gezogen. Die werden dann sicherlich zu meinen Saisonhöhepunkten zählen.

Der Moment des Sieges

Der Moment des Sieges (c) Sofia Wiedenroth

Hast du Tipps, Tricks und Ratschläge für junge Nachwuchstalente?

Ja, die habe ich. Jungen Nachwuchstalenten rate ich auf alle Fälle, Wert auf Technik-Training zu legen. Ich denke, bergab über Wurzeln, Steine oder Geschicklichkeitsparcours zu fahren, macht in dem Alter eh mehr Spaß als stundenlang bergauf zu fahren oder Kilometer zu zählen. Der Spaß sollte in jungem Alter klar an erster Stelle stehen. Später können die jungen Talente dann von ihren Fahrtechnikfähigkeiten profitieren und die Kraft- und Grundlagenausdauer immer noch dazu trainieren.

Mit wem würdest du gerne einmal auf Tour gehen?

Ich würde gerne einmal mit Greg Minaar (Downhill-Fahrer) auf seinen Heimtrails in Südafrika auf Tour gehen. Die sind sicherlich cool und machen riesig Spaß.

Greg Minaar beim World Cup in Südafrika. (c) Kathy Sessler/Santa Cruz Syndicate

Greg Minaar beim World Cup in Südafrika. (c) Kathy Sessler/Santa Cruz Syndicate

Entscheidende Minuten am Berg

Das XCO-DM Saalhausen Rennen am Wochenende war unglaublich spannend und nervenzerreibend. Wir haben Sofia gebeten, uns zu erzählen, was in solchen Momenten im Fahrer vorgeht und wie sie das Rennen für sich entscheiden konnte.

Wie üblich im Sauerland, regnete es so gut wie das ganze Wochenende durch. Dementsprechend war die Strecke sehr matschig, was die ohnehin schon technisch anspruchsvolle Abfahrt noch schwieriger zu fahren machte. Saalhausen ist nicht nur für regnerisches Wetter bekannt, sondern auch für sehr sehr steile Anstiege. Der Kurs ist ca. 4,8 Kilometer lang mit 160 Höhenmetern.

Die U23 Frauen hatten die Runde fünf mal zu befahren. Um 13:05 (5 Minuten hinter den Frauen Elite) fiel der Startschuss. Das meine zwei Hauptkonkurrentinnen, Lena Putz und Majlen Müller, direkt Vollgas von vorne fahren werden, war mir relativ klar. Meine Taktik war erstmal das ganze Renngeschehen zu beobachten und schauen wie die Anderen so fahren. Am Berg merkte ich, dass die anderen zwei ganz schön viel Druck auf dem Pedal hatten. Ich verlor sogar zum Teil kurz den direkten Anschluss. Aber in der Abfahrt hingen beide Mädels komplett auf der Bremse. Da kam ich in dem langen technischen Downhill immer wieder heran. Runde für Runde liefen meine Muskeln dann immer besser und ich konnte auch bergauf den Anschluss halten. Umso länger das Rennen ging, desto schneller wurde ich. Endlich zahlte sich das lange, harte Training aus. In der dritten Runde ergriff ich dann die Chance und attackierte die beiden bevor es die Berge wieder hinauf ging. Ich wusste, wenn ich einmal als erste oben ankomme, fahre ich in der Abfahrt einen guten Vorsprung hinaus. Und so war es dann auch. Mit 30 Sekunden Vorsprung schoss ich als erste aus der Waldabfahrt wieder in Richtung Start/Ziel. Eine Runde war noch zu fahren. Ich schaute nicht mehr nach hinten, sondern trat nur noch in der Pedale. Alles oder nichts, hieß es. Die zahlreichen Zuschauer pushten mich noch einmal die Berge hinauf. Die Beine und die Lunge brannten, aber jetzt musste ich nur noch sicher die Abfahrt hinunter kommen, dann habe ich es geschafft. Trotz der zittrigen, kaputten Beine, traf ich die Linien sehr gut und konnte den letzten Downhill noch einmal genießen. Und so kam ich dann nach 1:25 Stunden als Erste ins Ziel und durfte das neue Trikot entgegen nehmen.

Und das wohl verdient! Wir gratulieren Sofia zu dieser hervorragenden Leistung und freuen uns mit ihr über den Sieg!

 

 

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